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Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm s/w

USA, 1952

Freigabe: FSK ab 12 Jahren

Filmlänge: 85 Minuten

Keywords: Filmgeschichte, Western

Filmkatalog

Leihanfrage

Leihbedingungen

Bild zum Film: 12 Uhr Mittags
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12 Uhr Mittags

(High Noon)

Produktion

Stanley Cramer Co.

Produzent

Stanley Cramer

Regie

Fred Zinnemann

Drehbuch

Carl Foreman

Kamera

Floyd Crosby

Schnitt

Elmo Williams

Musik

Dimitri Tiomkin

Darsteller

Thomas Mitchell, Lloyd Bridges, Gary Cooper, Grace Kelly, Katy Jurado, Lon Chaney, Lee van Cleef

"Will Kane ist der Sheriff des kleinen Ortes Hadleyville. Just am Tag seiner Hochzeit mit der hübschen Amy, der zugleich auch der letzte seiner Amtszeit ist, trifft per Telegraf die Nachricht ein, daß der berüchtigte Frank Miller mit seinen Männern anrücken will, um sich an Kane zu rächen, da er ihn einst hinter Gitter brachte. Verständlicherweise zieht Kane aus, um Männer zu suchen, die ihm beim Empfang der Banditen zur Seite stehen sollen. Auf seinem Rundgang durch die Stadt muß er jedoch zur ernüchternden Erkenntnis kommen, daß niemand bereit ist, ihn in seinem selbstlosen Kampf für die Gerechtigkeit zu unterstützen. Ganz auf sich allein gestellt, geht Kane dem ungleichen Duell entgegen ..." (Das große cinema Filmlexikon)

Kritik:
"[...] Zinnemanns 'psychologischer' Western bereichert das Genre nicht nur um neue dramaturgische Raffinessen (die Einheit von Ort und Zeit ist virtuos zur Spannungssteigerung genutzt) und um den damals noch ungewohnten Typus des 'gebrochenen' Helden, der an seinem Auftrag zweifelt, sondern verschärfte auch die moralischen Aspekte der Fabel.
Über seinen filmhistorischen Wert hinaus stellt der populärste und meistausgezeichnete Film der 50er Jahre eine bittere Abrechnung mit der McCarthy-Ära dar. Der Drehbuchautor Carl Foreman war 1951 auf die 'schwarze Liste' des Kommunistenjägeres geraten und hat in diesem Stoff seine Erfahrungen verarbeitet." (Lexikon des internationalen Films)

"High Noon" hatte eigentlich rein äußerlich nichts zu bieten, was besonders spektakulär hätte sein können. Es fehlten die typischen weiten Schwenks und Fahrten über die unendliche Landschaft des Westens. Statt dessen fand sich der Zuschauer vor den hölzernen Kulissen einer Pioniersiedlung wieder, und das alles war zu allem Überfluß auch noch auf Schwarzweiß-Material abgelichtet worden. Und doch schuf Fred Zinnemann mit diesem Film den legendärsten und wichtigsten Western der Filmgeschichte. Der konsequente und gradlinige Aufbau der Dramaturgie, die kameratechnische Umsetzung und vor allem die Schauspielkunst Gary Coopers waren die überragenden Qualitäten dieses Werkes, mit dem sich der 'psychologische Western' endgültig salonfähig machte. [...]
Verdienterweise erhielt Gary Cooper für seine Rolle den zweiten Oscar in seiner Karriere. Eine weitere Auszeichnung ging an den Schnitt (Elmo Williams, Harry Gerstad). Gleich zwei weitere Preise konnte Dimitri Tiomkin für den Besten Soundtrack und den Besten Filmsong (Do Not Forsake Me, oh My Darling, gesungen von Tex Ritter) entgegennehmen. [...]" (Das große cinema Filmlexikon)

Materialien zum Film :
"[...] Der Film gilt nicht nur als klassisches Beispiel eines Western, er ist auch ein vielzitiertes Demonstrationsobjekt der Filmanalyse. Dazu hat ihn die strenge Form der Dramaturgie gemacht, die die Zeit des Geschehens, etwa zwei Stunden um die Mittagszeit, in 85 Minuten Erzählzeit des Films abbildet und einem klassischen tektonischen Aufbau in fünf Akten folgt. Bereits in den ersten sechs Minuten werden die Genrekonventionen etabliert. Während die drei Kumpane Millers zur Stadt reiten und der Titelsong -Do not forsake me, oh my darling [...] ertönt, heiraten der Marshal und die Quäkerin und geben damit das gesellschaftliche Gegenbild zu den gesetzlosen Banditen. Heirat und Ablegen des Marshalsterns erfolgen für den Zuschauer bereits mit dem Wissen, daß eine neue Auseinandersetzung auf den Helden zukommt. Als Kane die Nachricht von Millers Ankunft hört, beschließt er auszuharren, obwohl er sein Amt gerade zurückgegeben hat. Aber, so will es die Dramaturgie, als Mann muß er seine Pflicht tun.
Damit ist der Grundkonflikt zwischen dem Eintreten für eine öffentliche Sache und dem Recht auf privates Glück bestimmt. Es geht um das Gesamtwohl der Gemeinschaft, dabei darf auch der Einsatz des eigenen Lebens nicht gescheut werden. Kane steht hier für die Freiheit der westlichen Welt, die er gegen allen Defätismus der Bürger verteidigt. "High Noon" ist schon früh als Allegorie auf das politische Klima Hollywoods gesehen worden, das durch die Hexen-jagd des amerikanischen Senators McCarthy verunsichert war. Doch der Film erlebte auch die entgegengesetzte Rezeption und galt in den fünfziger Jahren, gerade in Deutschland, als Ausdruck staatstragender demokratischer Gesinnung und antikommunistisches Lehrstück, so daß er zu einem Gedenktag-Klassiker (Dadelsen) wurde.
Mythische Qualitäten hat die Anlage der Geschichte, der Kampf des einzelnen gegen vier Banditen, der von einem Kampf gegen die Zeit überlagert wird. In beispielhaft verdichteten Szenen erschließen sich Grundmuster, bisweilen auch Klischees amerikanischen Selbstverständnisses. In der Auseinandersetzung zwischen der schwarzhaarigen Saloonbesitzerin Helen Ramirez und der blonden Quäkerin stehen sich Wildheit und Zivilisation gegenüber (Dadelsen), der Richter, der sich Kanes Bitte versperrt, gibt ein zynisches Beispiel von staatsbürgerlichem Opportunismus, die Szene in der Kirche führt die Feigheit der Bürger in verschiedenen Varianten vor.
Berühmt ist die Montagesequenz, in der der Zug ankommt, Kane in seinem Büro sitzt und sein Testament schreibt. Unter dem Pendel der Uhr, das den Rhythmus vorgibt, werden noch einmal alle Filmfiguren in Einzelbildern zusammengeführt. Mit dem Pfiff des ankommenden Zuges wird der Showdown und die genretypische Schießerei eingeleitet. Die strenge Rhythmisierung des filmischen Geschehens führt dazu, daß der Film von Anfang bis Ende seine Spannung hält und noch vierzig Jahre nach seiner Uraufführung Zuschauer zu binden versteht.
Seinen anhaltenden Erfolg verdankt der Film auch seinen Hauptdarstellern Gary Cooper und Grace Kelly. Cooper zeichnet sich durch besonders zurückhaltendes - manchmal fast steifes - Spiel aus und Grace Kelly ist die unnahbare Schönheit, die ihre aus der Perspektive des Films weltfrem-den religiösen Grundsätze dann doch aufgibt, um ihrem Mann zur Seite zu stehen." (Hickethier, Knut: Zwölf Uhr Mittags. - In: Filmklassiker : Beschreibungen und Kommentare / hrsg. von Thomas Koebner unter Mitarb. von Kerstin-Luise Neumann. - 2., durchges. und erw. Aufl. - Bd. 2. - Stuttgart : Reclam, 1998. - S. 149 - 151)

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