Bild & Icon: Filmkommunikation - Anspruchsvolles Kino in Thüringen

Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm

DDR, 1977

Freigabe: FSK o.A.

Filmlänge: 100 Minuten

Keywords: Literaturverfilmung, Märchen, Kinderfilm

VERGANGENES NEU ENTDECKEN - ZUKUNFT FÃRDERN

Filmkatalog

Leihanfrage

Leihbedingungen

Bild zum Film: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
Bild zum Film: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
Bild zum Film: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

(Wer reiÃt denn gleich vorm Teufel aus)

Produktion

DEFA-Studio für Spielfilme

Regie

Schlegel, Egon

Drehbuch

Manfred Freitag, Joachim Nestler, nach dem Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" der Brüder Grimm

Kamera

Wolfgang Braumann

Schnitt

Anneliese Hinze-Sokolow

Musik

Günter Hauk

Darsteller

Rolf Ludwig, Peter Köhnke, Wolfgang Greese, Hannjo Hasse, Fred Ludwig, Horst Papke, Dieter Franke, Kurt Radeke, Hans Klering, Peter Dommisch, Katrin Martin, Hans-Joachim Frank, Hans-Peter Reinecke, Harry Merkel, Peter Friedrichson, Katharina Rothärmel, Klaus Powollik-Rondy, Ernst-Georg Schwill, Paul Arenkens

"Es war einmal ein ängstlicher Bursche namens Jakob, der eines Tages im Auftrag des Königs ein Schreiben an dessen Hof bringen sollte. Unterwegs geriet Jakob in die Hände von Räubern, die den Brief heimlich lasen und erfuhren, daß Jakob hingerichtet werden sollte, weil man ihn fälschlich für einen Rebellen hielt. Da sie Mitleid mit ihm hatten, tauschten sie den Brief gegen einen, nach dem Jacob sofort mit der Prinzessin verheiratet werden sollte, was auch geschah. Da befahl ihm der zornige König, 3 Haare vom Kopf des Teufels zu bringen."
Quelle: Videoumschlag

Kritik:
"[...] Frei nach dem Grimmschen Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" schrieben die renommierten DEFA-Szenaristen Manfred Freitag und Joachim Nestler eine originelle Filmversion, die allerdings auf eine radikale Bearbeitung der Literaturvorlage hinauslief. War dem in einer Glückshaut geborenen Helden bei den Gebrüdern Grimm noch prophezeit worden, er würde mit vierzehn Jahren die Königstochter heiraten, ist der Jakob im Film eher vom großen Pech verfolgt. Nur ein Zufall führt ihn in die Nähe des Herrschers und beinahe auch in den Tod. Allein dem Eingriff couragierter Handwerksgesellen verdankt er die kurzzeitige glückliche Wendung in seinem kargen, von Mißgeschicken begleiteten Leben. Die Hochzeit ist also nicht vorherbestimmt, sondern überhaupt erst durch die Intrige beherzter Burschen möglich. Diese Männer - ebenfalls eine Erfindung der Autoren - spielen eine nicht unwesentliche Rolle, dienen sie doch einer ausführlichen Charakterisierung der sozialen Verhältnisse im Königreich. Zunächst als ehrliche Schmiede eingeführt, wollen sie sich nach handgreiflichen Auseinandersetzungen mit dem erbarmungslosen Steuereintreiber nicht länger das Fell über die Ohren ziehen lassen und gehen als Rächer der Armen in den Wald. Der gefährliche König seinerseits, der ständig vorgibt, -ein fröhliches Regiment- zu führen, übt sowohl an den -Räubern- als auch an deren Sympathisanten nachhaltige Vergeltung. Allein Jakob findet durch die Liebe der Prinzessin den Mut, einen übermächtigen Teufel um seine goldenen Haare zu bringen. Nur er kann seine einstigen Spötter und späteren Lebensretter wieder erlösen. Über einen langen Entwicklungsweg muß sich der als Angsthase exponierte junge Mann also Erfolg, Selbstvertrauen und eheliches Glück selbst erarbeiten. Die durchaus löbliche Moral dieser Geschichte wird im ersten Teil des Films leider allzu bemüht vorbereitet. Trotz ironischer Brechungen wirkt hier die Fabel über Gebühr gedehnt und konstruiert. Auch im originell eingerichteten unterirdischen Schloß, das als Pendant zur Hölle aufgefaßt werden kann, vermag das angestrengte Spiel der Akteure um den als König einsam glänzenden Rolf Ludwig kaum Aufregung und Anteilnahme zu wecken. In dem Moment allerdings, da der als Teufelsweib verkleidete Jakob dem Leibhaftigen gegenübertritt, ändert sich die Situation schlagartig. Ein wahres Höllenspektakel, ein Feuerwerk an komödiantischen Einfällen bricht los, das den Lachmuskeln der Zuschauer kaum Zeit zur Entspannung läßt. Der Regisseur zieht alle Register filmischer Gestaltungsmittel.
Insbesondere die darstellerischen Qualitäten des leider viel zu früh verstorbenen Dieter Franke in der Rolle des Teufels setzen hier Akzente. Mit sicherem Gespür für komische Wendungen vermag er die feine Gratwanderung zwischen Gefährlichkeit und heiliger Einfalt des genasführten Beelzebubs überzeugend darzustellen. Aber auch der bis dahin als Jakob eher blutleer wirkende Hans-Joachim Frank beweist in dieser Sequenz komödiantisches Talent. Eine Vielzahl von Ausstattungsideen und insbesondere der dramaturgisch geschickt eingesetzte -Höllentango-, ein musikalischer Leckerbissen par excellence, unterstützen hier die temporeiche, von Überraschungseffekten geprägte Inszenierung. Wenngleich Egon Schlegel in seinem zweiten Spielfilm keine stilistische Geschlossenheit erreicht, hat er nach seinem Debüt -Abenteuer mit Blasius-, 1974 ein weiteres Mal bewiesen, daß er die einem Stoff immanenten Wirkungen herauszuarbeiten vermag und ein sicheres Gespür für unterhaltsam-spannungsreiches Kino besitzt.

Muß man die Märchen der Gebrüder Grimm, auch wenn sie sie als Hausmärchen (also zur Belehrung in gutbürgerlicher Stube) bezeichnen, gleich ins historisch überholte Eckchen bugsieren?
Liegt nicht in der Erzählweise der Grimms so viel Volkswitz, Volksweisheit, Volkstümlichkeit, auch Bauernschläue und Ironie über die Obrigkeit, daß jeder Filmschöpfer eigentlich nur noch -bebildern- müßte (was natürlich nicht möglich ist und auch nicht gewünscht, da Medium Film und Literatur etwas anderes sind, trotzdem aber nicht wenige Berührungspunkte besitzen)? Regisseur Schlegel und die Autoren Nestler / Freitag machen es natürlich ganz anders, überironisieren, übersatiren, zeichnen Karikaturen, machen in modern und rauben der Grimmschen Volkspoesie nahezu den letzten Hauch von Phantasie. [...] Da kann man sich nur mit Wehmut an die alten, aber jung gebliebenen DEFA-Märchen "Der kleine Muck", "Das kalte Herz- oder -Das singende, klingende Bäumchen- erinnern."
N. W., "Mitteldeutsche Neueste Nachrichten", Leipzig, 10. 12. 1977

"Es ist ein Riesenjux, wie Dieter Franke schwanzwedelnd durch seine Hölle fährt, wie er ächzend die Teufelssuppe verschlingt, dieweil ihm Blitz und Donner aus Mund und Ohren schießen, wie er beim Harmoniumspiel die teufelsköpfigen Orgelpfeifen in Schwung bringt. Und in seiner Hölle glitzert und qualmt es, sausen Gegenstände durch die Luft, scheint's zu spuken. Kurzweiliger kann es in der Unterwelt gar nicht zugehen. [...] Jakobs Weg durch Wald und Flur und zur Hölle jedoch erweist sich als ziemlich lang. In dem Bemühen der Autoren, die sozialen Konturen, die arge Bedrängnis der Untertanen unter des Königs -heiterem Regiment- deutlicher zu machen, geht ihnen das Märchenhafte, der Zauber, der Spaß, ja, mitunter sogar die Verständlichkeit der Geschichte etwas verloren. Das ist sehr schade. Wäre doch die gute DEFA-Sitte von einst, Kinderfilme möglichst eine Stunde kurz zu halten, zur DEFA-Tradition geworden. Diesem Film hätte das gewiß gut getan."
Ursula Frölich, "Wochenpost", Berlin, 16. 12. 1977

"Zugegeben, der Anfang ist ein wenig umständlich und nicht leicht durchschaubar. Man weiß nicht recht, wo die Geschichte um den täppischen Jungen Jakob hingehen soll. Das liegt gewiß in erster Linie am Buch, aber ein bißchen auch an dem bläßlichen Hauptdarsteller Hans-Joachim Frank, der entweder vom Regisseur nicht gut geführt wird, oder aber ein Talent-Defizit zu beklagen hat. Doch spätestens bei Jakobs Einzug ins Schloß des trunksüchtigen Monarchen (eine überzeugende Leistung von Rolf Ludwig!) beginnt das Vergnügen und steigert sich von Szene zu Szene. Egon Schlegel gelingt hier etwas höchst Bemerkenswertes, nämlich poetisch-satirische Überhöhung. Die beiden absoluten Glanznummern des Films sind die Hölle und der göttliche Teufel Dieter Franke."
Renate Holland-Moritz, "Eulenspiegel", Berlin, 2/1978

"Die Szenen in der Hölle sind phantasievoll und witzig und können ohne weiteres mit den neuesten Erfindungen von Hollywoods Fantasy-Welle mithalten."
R. T., "DerTagesspiegel", Berlin, 9. 4. 1982

Quelle: Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus : 1977. - In: Zwischen Marx und Muck : DEFA-Filme für Kinder / hrsg. von Ingelore König, Dieter Wiedemann und Lothar Wolf. - Berlin : Henschel, 1996. - S. 242-243

Top

Impressum

--