Bild & Icon: Filmkommunikation - Anspruchsvolles Kino in Thüringen

Katalogeintrag

Technische Infos

Medium: VHS

Spielfilm s/w

BRD, 1973

Freigabe: FSK ab 6 Jahren

Filmlänge: 110 Minuten

Keywords: Roadmovie, Musik, Stadt, Beziehung

Filmkatalog

Leihanfrage

Leihbedingungen

Bild zum Film: Alice in den Städten

Alice in den Städten

Produktion

PIFDA 1

Produzent

Peter Genée

Regie

Wim Wenders

Drehbuch

Wim Wenders, Veith von Fürstenberg

Kamera

Robby Müller, Martin Schäfer

Schnitt

Peter Przygodda, Barbara von Weitershausen

Musik

Can

Darsteller

Edda Köchl, Didi Petrikat, Rüdiger Vogler, Lisa Kreuzer, Yella Rottländer

"Der Journalist Philip Winter sammelt Bilder. Aber sie öffnen ihm keinen Zugang zu mehr Wirklichkeit. Alice, ein kleines Mädchen, ebenso launisch und starrsinnig wie er, gibt ihm die verlorene Beziehung zu sich selbst und zur Realität zurück. Während einer unfreiwilligen Odyssee von New York über Amsterdam nach Wuppertal und durch das Ruhrgebiet stößt sie ihn mit der Nase auf die Tatsachen des Lebens." Quelle: Videoumschlag

Kritik:
"[...] Ein sensibles Bild selbstentfremdeten Lebens in unserer Zeit; ästhetisch und psychologisch überzeugend, bestechend durch seinen Wahrheitsgehalt wie auch durch seine gleichnishafte Kraft und Ausstrahlung der Bilder." (Lexikon des internationalen Films)


Materialien zum Film:
"[...] In dieser Hölle, die die Dreharbeiten zu "Der scharlachrote Buchstabe" waren, gab es eine kurze Szene zwischen Rüdiger Vogler und der kleinen Yella Rottländer, ein sehr behüteter Augenblick, wo ich mir sagte: Wenn der Film immer so aussehen würde, das wäre das Glück. Und während wir den Film schnitten, habe ich ein Lied von Chuck Berry gehört: Memphis. Der Text läßt einen lange im Glauben, es gehe um eine Frau; erst am Ende entdeckt man, daß er von einem sechsjährigen Mädchen spricht. Ich sagte mir: Diese Szene zwischen Rüdiger und der kleinen Yella, dazu dieses Lied, das kann einen Film ergeben. Gegen Ende von "Alice in den Städten" sieht man Philip Winter bei einem Konzert von Chuck Berry, der gerade Memphis singt - ein anderer Ausgangspunkt. Während meiner Reise durch die Vereinigten Staaten hatte ich viele Polaroidfotos gemacht, aber mit dem alten System: Man mußte eine Minute warten, bevor man mit einem Mal das bereits entwickelte Foto entdeckte. Wir hörten gerüchteweise, daß ein phantastischer Apparat existiere, der Fotos machte, bei denen man sehen konnte, wie sie zum Vorschein kamen. Wir schrieben an Polaroid, und sie liehen uns zwei Apparate, lange bevor sie in den Verkauf kamen. Ich habe noch das erste Foto, das ich mit dieser Kamera in einer New Yorker Cafeteria gemacht habe. Ich hatte die Story geschrieben - noch nicht das Drehbuch - und ging auf Einladung eines Freundes zur Pressevorführung von "Paper Moon"; Peter Bogdanovichs "The last Picture show" hatte ich sehr gemocht. Es war eine Katastrophe: Die Geschichte, die ich gerade geschrieben hatte, ähnelte zu sehr "Paper Moon" - ein Typ, der mit einem kleinen Mädchen umherreist und es am Ende zu einer Tante zurückbringt. Wie in meinem Film. Darüber hinaus sah Tatum O'Neal meiner Alice ähnlich, und nur Ryan O'Neal sah nicht gerade wie Rüdiger Vogler aus. Völlig entsetzt wollte ich alles aufgeben und rief meinen Produktionsleiter an, um das Projekt abzusagen. In dieser Verzweiflung fuhr ich nach Los Angeles und zeigte meine ersten drei Filme. Ich erinnere mich an die Vorführung von "Summer In The City": Ich war alleine im Saal mit dem Vorführer, und wir haben den Film bis zum Ende angeschaut. Sam Fuller hatte ich kennengelernt, als er in Deutschland "Dead Pigeon On Beethovenstraße" drehte. Da ich in Los Angeles war, rief ich ihn an. Er lud mich ein, morgens gegen zehn Uhr mit ihm zu frühstücken. Wir blieben bis zum Abend bei Tisch sitzen: tausend Gerichte der wunderbaren jüdisch-polnischen Küche, viel Wodka, und am Ende habe ich ihm die Geschichte von meinem Film erzählt, den ich wegen Bogdanovich nicht mehr drehen konnte. Er sagte, so was sei ihm auch schon passiert. Er hatte "Paper Moon" gesehen und bat mich, ihm meine Geschichte zu erzählen. Ich fing an, aber er hatte nicht die Geduld, mir bis zum Ende anzuhören: 'Hör auf, hör auf, ich sehe schon dein Problem.' Und er begann, mir meinen Film in seiner Version zu erzählen. Das hatte nichts mehr mit "Paper Moon" zu tun, es war auch nicht mehr ganz das, was ich geschrieben hatte, aber mit einem Mal wurde der Film wieder möglich. Noch am Abend rief ich in Deutschland an, daß wir den Film machen.
Mit "Alice in den Stätten" habe ich meine eigene Handschrift im Film gefunden. Viel später wurde mir klar, daß während all dieser Jahre meine Arbeit zwischen zwei Polen pendelte: den Filmen über persönliche Themen in Schwarz-weiß und den Filmen in Farbe, Adaptionen literarischer Werke, zwischen "Summer In The City" und "Die Angst des Tormanns", zwischen "Alice in den Städten" und "Falsche Bewegung", zwischen "Im Lauf der Zeit" und "Der amerikanische Freund«. (Der scharlachrote Buchstabe schließe ich von dieser Entwicklung aus) [...]" (Wenders, Wim: Einstellungen / Wim Wenders. Hrsg. von Gerd Gemünden und Michael Töteberg. - [Duisburg]: Atlas Film ; [Frankfurt am Main]: Verlag der Autoren, 1993. - S. 87 - 89)

Top

Impressum

--